Helfen

Ein paar Details, was darunter hier im Land zu verstehen ist, will ich mit einigen Erlebnissen deutlich machen:

“Wir haben die Wohnung renovieren lassen und nun ist die Rechnung so hoch.” Mit dieser Bitte steht die Nachbarin vor der Tuer. Einen Teilbetrag gebe ich ihr, in der Hoffnung auf Rueckzahlung. Doch weil es Wochen spaeter noch still in der Sache ist, klopfe ich bei ihr. Ganz freundlich bittet sie mich herein und bietet mir statt des Geldes mehrere Kilo Reis an. Den lassen wir im Laden nebenan auswiegen, wobei sie den kleinen Rest gleich im Laden noch gegen eine Fertigsuppe eintauscht.

Auf die Frage, wie die Pruefung gelaufen sei, erhalte ich eine erleichterte Antwort. “Wir konnten uns gegenseitig helfen, weil kein Lehrer von einer anderen Schule gekommen war.”

Fuer das Sommerlager brauche ich Gummistiefel und konnte sie bisher nirgends auf dem Markt finden. Eine Bekannte brachte mir deshalb gestern ihre eigenen, allerdings nur Groesse 36 und ich brauche 38. “Besser als keine, oder?”

Am Samstag wollten mehrere Lehrer mit dem Zug aufs Land fahren. Wegen Schaden an der Lokomotive war aber unbestimmte Verspaetung angesagt. Kurzerhand wurde entschlossen, dann mit einem Mikrobus zu fahren. Um die Preisdifferenz zu mildern, wurden weitere Kollegen angerufen und gebeten, mitzufahren. Im Zickzack fuhren wir so fast zwei weitere Stunden durch die Stadt und waren schliesslich voll besetzt. Geteilte Kosten und damit doppelte Freude am Singen war das Ergebnis: 6h Fahrt = 6h Singen!

“Ich bin ohne Jacke gekommen. Lass uns mit dem Taxi nach Hause fahren. Hast du Geld? Ich habe keins.” Dieser Wortschwall ging gestern Abend auf mich nieder. Eine mir bekannte Frau aus der Nachbarschaft hakte sich dabei bei mir ein und strebte dem Taxistand zu. Dort fuhr statt eines Taxis gerade ein edler Jeep vorbei, dessen Fahrer sie offensichtlich kannte und so landeten wir Minuten spaeter gratis direkt vor dem Haus.

Mit der Bitte um Hilfe beim Uebersetzen einer Sache erhielt ich Besuch. Ich stimmte zu und erfuhr, dass ‘die Sache’ drei A4 Seiten hatte, die aus dem Mongolischen ins Englisch uebersetzt werden sollten.

“Bitte sag dem Deutschen doch, dass du uns kennst, damit mein Mann die Arbeit als Chauffeur bekommt.” Ein deutsches Unternehmen hatte hier eine Stelle ausgeschrieben und natuerlich hoffte man, dass Referenzen helfen wuerden. Doch diese Bitte hatten viele bereits an mich gerichtet. Um nicht hilfsunwillig zu erscheinen, half ich beim Aufsetzen des Bewerbungsschreibens und gab noch ein paar Tipps.

2009-05-27 – 04:42 .

Ein Kommentar zu “Helfen”

  1. Ja, das klingt alles etwas vertraut. Allerdings ist hier die Hilfe oft noch m ehr einseitig, denn Weisse haben den Ruf, einfach unendlich Geld und Material zu haben. Aber insgesamt ist es schoen, das Leben mit anderen zu teilen. Oft muss man sagen “Humor ist, wenn man trotzdem lacht!”
    Danke fuer deinen Beitrag!!

    geschrieben von Katha am 2009-07-23

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